Warum wir gerade jetzt mehr Zuversicht brauchen als je zuvor
Hast du manchmal das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen gerät? Verlierst du dadurch die Hoffnung?
Kriege, Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit, gesellschaftliche Spannungen und täglich neue Schlagzeilen, die uns Sorgen machen. Viele Menschen berichten heute, dass sie mit deutlich mehr Zukunftsängsten leben als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig leben wir in einer Zeit, in der Gesundheit, Wohlstand und Sicherheit objektiv betrachtet so hoch sind wie nie zuvor.
Wie passt das zusammen?
Genau darüber habe ich in meinem Podcast mit dem renommierten Hoffnungsforscher Prof. Dr. Andreas M. Krafft von der Universität St. Gallen gesprochen. Seit vielen Jahren erforscht er die Frage, was Menschen Hoffnung gibt, wie Zukunftsbilder entstehen und warum manche Gesellschaften optimistisch in die Zukunft blicken, während andere von Pessimismus geprägt sind.
Mehr über seine Arbeit findest du auf seiner Website:
https://www.andreaskrafft.ch
Das Paradox unserer Zeit
Eine der spannendsten Erkenntnisse aus unserem Gespräch war für mich die Beobachtung, dass Hoffnungslosigkeit vor allem in den wohlhabenden Ländern Europas verbreitet ist.
Während Menschen in Ländern wie Indien, Kolumbien oder Nigeria oft deutlich optimistischer in die Zukunft schauen, erleben wir in Mitteleuropa häufig das Gegenteil. Dabei geht es vielen Menschen hier materiell wesentlich besser.
Prof. Krafft erklärt dieses Phänomen mit einem spannenden Gedanken: Wer über Jahrzehnte erlebt hat, dass Sicherheit, Wohlstand und Stabilität selbstverständlich sind, reagiert oft empfindlicher auf Unsicherheit. Wir haben verlernt, mit Ungewissheit umzugehen.
Und genau diese Ungewissheit prägt unsere Zeit.
Wir leben nicht nur von dem, was wir haben
Ein Satz aus dem Gespräch ist mir besonders in Erinnerung geblieben:
„Wir leben nicht nur von dem, was wir haben, sondern von dem, was wir vorhaben.“
Was für ein kraftvoller Gedanke.
Menschen brauchen Ziele, Visionen und etwas, worauf sie sich freuen können. Wir brauchen das Gefühl, dass wir etwas bewirken können. Wenn dieses Gefühl verloren geht, entsteht Ohnmacht. Und Ohnmacht ist einer der grössten Feinde der Zuversicht.
Vielleicht kennst du das auch aus deinem eigenen Leben: In den Momenten, in denen du ein Ziel vor Augen hattest oder für etwas gebrannt hast, war vieles leichter. Herausforderungen waren nicht verschwunden, aber sie hatten weniger Macht über dich.
Genau das beschreibt Hoffnung.
Hoffnung ist kein Wunschdenken
Viele Menschen verstehen Hoffnung als passives Abwarten.
Nach dem Motto: „Ich kann nichts tun, also hoffe ich einfach.“
Doch psychologisch betrachtet ist Zuversicht etwas völlig anderes.
Prof. Krafft beschreibt sie als die Voraussetzung für Handeln. Wer nicht glaubt, dass eine positive Zukunft möglich ist, wird auch nichts dafür tun.
Ein arbeitsloser Mensch bewirbt sich nur dann auf neue Stellen, wenn er hofft, wieder Arbeit zu finden.
Ein Mensch nach einer Trennung öffnet sich nur dann wieder für eine Beziehung, wenn er hofft, erneut Liebe zu erleben.
Hoffnung ist also nicht das Ergebnis von Handlung – Hoffnung ist ihr Ausgangspunkt.
Warum Dankbarkeit der erste Schritt ist
Besonders berührt hat mich die Antwort auf meine Frage, was wir konkret tun können, wenn wir merken, dass wir immer negativer denken.
Die Antwort von Prof. Krafft war überraschend einfach:
Nicht zuerst positiv in die Zukunft schauen.
Sondern positiv in die Vergangenheit.
Wofür bist du dankbar?
Welche Herausforderungen hast du bereits gemeistert?
Welche Menschen unterstützen dich?
Welche Stärken hast du entwickelt?
In meiner Arbeit als Glückscoach erlebe ich immer wieder, wie kraftvoll dieser Perspektivwechsel zu Dankbarkeit sein kann. Wer bewusst wahrnimmt, was bereits gut ist, schafft die Grundlage für Vertrauen. Und Vertrauen wiederum ist der Nährboden für Hoffnung.
Hoffnung entsteht gemeinsam
Ein weiterer Gedanke aus dem Gespräch hat mich besonders bewegt:
Hoffnung ist kein individuelles, sondern ein soziales Phänomen.
Wenn wir unsere Grenzen erkennen, öffnen wir uns für Zusammenarbeit. Wir erkennen, dass wir nicht alles allein schaffen müssen. Hoffnung entsteht dort, wo Menschen gemeinsam an etwas glauben und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit.
Nicht noch mehr Rückzug.
Nicht noch mehr Polarisierung.
Sondern mehr Miteinander.
Mehr Dialog.
Mehr Vertrauen.
Mein persönliches Fazit
Dieses Gespräch hat mir einmal mehr gezeigt, dass Hoffnung keine naive Haltung ist. Sie ist vielmehr eine bewusste Entscheidung.
Eine Entscheidung, Möglichkeiten zu sehen, obwohl wir die Zukunft nicht kennen.
Eine Entscheidung, sich zu engagieren, obwohl Erfolg nicht garantiert ist.
Und eine Entscheidung, den Blick nicht nur auf Probleme, sondern auch auf Chancen zu richten.
Denn am Ende wissen wir nicht, wie die Zukunft aussehen wird.
Aber wir können entscheiden, mit welcher Haltung wir ihr begegnen.
Jetzt die Podcastfolge anhören
Wenn du tiefer in das Thema Hoffnung eintauchen möchtest und erfahren willst, warum Hoffnung eine der wichtigsten Ressourcen für Glück, Resilienz und psychische Gesundheit ist, dann hör unbedingt in diese Podcastfolge hinein:
Ich wünsche dir viele inspirierende Erkenntnisse – und vor allem jede Menge Hoffnung für deinen eigenen Weg.











