Erfolg - Glückscoach Christina Zech

Erfolg macht nicht glücklich – wenn du niemanden hast, mit dem du ihn teilen kannst

Wie oft denken wir: Wenn ich das geschafft habe, dann bin ich glücklich.

Wenn ich endlich mehr verdiene.
Wenn ich diese Position habe.
Wenn das Unternehmen läuft.
Wenn ich mir das leisten kann.

Dann beginnt das gute Leben.

Doch was, wenn wir die Reihenfolge verwechseln?

Professor Dr. Bruno Frey, einer der bekanntesten Glücksforscher im deutschsprachigen Raum, hat es in unserem Gespräch mit einem Satz auf den Punkt gebracht, der mir besonders hängen geblieben ist:

Was bringt es, 100’000 Euro mehr im Jahr zu verdienen, wenn man niemanden hat, mit dem man sich darüber freuen kann?

Das klingt zunächst fast selbstverständlich. Und trotzdem leben erstaunlich viele Menschen genau andersherum: Sie investieren immer mehr Zeit in ihren Erfolg – und stellen erst später fest, dass sie unterwegs etwas verloren haben, das für ihre Lebensqualität viel wichtiger ist.

  • warum mehr Einkommen zwar wichtig ist, aber nicht automatisch mehr Lebenszufriedenheit bringt
  • weshalb persönliche Beziehungen zu den wichtigsten Faktoren für ein gutes Leben gehören
  • warum Selbstbestimmung oft wertvoller ist als noch mehr Leistung
  • was Erfolg mit dem Hamsterrad-Gefühl zu tun hat
  • weshalb wir nicht versuchen sollten, ständig glücklich zu sein

Hier kannst du die vollständige Podcastfolge hören:

Was bedeutet Erfolg eigentlich?

Erfolg ist eines dieser Wörter, bei denen wir selten innehalten und fragen, was wir persönlich überhaupt darunter verstehen.

Oft übernehmen wir die Antwort einfach.

Mehr Verantwortung. Mehr Einkommen. Mehr Einfluss. Ein grösseres Haus. Eine höhere Position. Möglichst viel erreichen.

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden.

Professor Bruno Frey macht im Gespräch auch deutlich: Ein ausreichendes Einkommen ist wichtig. Wer ständig überlegen muss, wie die nächste Rechnung bezahlt werden soll, hat wenig Raum, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Geld schafft Sicherheit.

Aber irgendwann verändert sich die Rechnung.

Wenn sich das Einkommen verdoppelt, verdoppelt sich nicht automatisch unser Glück. Der zusätzliche Gewinn an Lebenszufriedenheit wird kleiner, als wir oft erwarten.

Und genau hier beginnt eine Frage, die ich aus vielen Gesprächen mit Menschen kenne:

Wie viel Erfolg brauche ich eigentlich noch?

Denn manche Menschen erreichen tatsächlich das, wovon sie jahrelang geträumt haben – und merken dann: Jetzt bin ich zwar dort angekommen. Aber ich lebe nicht so, wie ich eigentlich leben wollte.

Warum macht mehr Erfolg nicht automatisch glücklicher?

Das Problem ist nicht, erfolgreich zu sein.

Das Problem entsteht, wenn Erfolg zum einzigen Massstab für ein gelungenes Leben wird.

Dann verschiebt sich die Aufmerksamkeit immer weiter nach aussen.

Was haben die anderen erreicht?
Wie viel verdienen sie?
Wo stehen sie beruflich?
Was können sie sich leisten?

Professor Frey spricht im Gespräch einen wichtigen Punkt an: Vergleiche können unser Gefühl für Erfolg massiv beeinflussen.

Und das kennen wir vermutlich alle.

Du kannst mit deinem Leben eigentlich zufrieden sein – bis du plötzlich siehst, was jemand anderes hat.

Ein grösseres Haus.

Ein schöneres Auto.

Eine spektakulärere Karriere.

Und plötzlich fühlt sich das eigene Leben kleiner an.

Nicht, weil es schlechter geworden ist.

Sondern weil wir begonnen haben, es mit dem Leben eines anderen zu messen.

Dabei gibt es eine Frage, die viel interessanter ist als: Bin ich erfolgreicher als andere?

Passt mein Erfolg überhaupt zu dem Leben, das ich führen möchte?

Was bringen 100’000 Euro mehr, wenn niemand da ist?

Der vielleicht menschlichste Moment unseres Gesprächs war für mich die Bedeutung persönlicher Beziehungen.

Professor Frey erzählt, dass er aus der Glücksforschung selbst etwas für sein eigenes Leben gelernt hat.

Früher war er als Professor sehr beschäftigt. Heute verabredet er sich regelmässig mit verschiedenen Menschen zum Mittag- oder Abendessen.

Nicht für ein Projekt.

Nicht für ein Geschäft.

Nicht, weil daraus etwas entstehen muss.

Einfach, um miteinander zu reden.

Ich finde das bemerkenswert.

Denn genau das streichen wir oft zuerst aus unserem Kalender, wenn das Leben voller wird.

Ein Mittagessen? Keine Zeit.

Ein Kaffee mit einer Freundin? Später.

Den Nachbarn kurz fragen, wie es ihm geht? Morgen.

Und irgendwann stellen wir fest, dass unser Kalender voller Termine ist – aber kaum noch Raum für Begegnungen bleibt.

Dabei sind es oft gerade diese scheinbar kleinen Kontakte, die unser Leben lebendig machen.

Ein Gespräch.

Ein gemeinsames Essen.

Ein freundlicher Blick beim Spazierengehen.

Ein kurzes Gespräch über den Gartenzaun.

Das kostet oft erstaunlich wenig.

Aber es kann sehr viel verändern.

Erfolg braucht Menschen, mit denen wir ihn teilen können

Wir denken bei Erfolg oft an etwas Persönliches.

Mein Abschluss. Meine Karriere. Mein Einkommen. Mein Unternehmen.

Aber Erfolg wird erst dann wirklich Teil eines guten Lebens, wenn er in Beziehungen eingebettet ist.

Mit wem kannst du dich freuen?

Mit wem kannst du feiern?

Wem kannst du erzählen, was dich gerade bewegt?

Und wer ist da, wenn dein Erfolg plötzlich einmal nicht mehr so glänzend aussieht?

Vielleicht ist das auch der Grund, warum der Satz mit den 100’000 Euro für mich so stark ist.

Man kann sehr viel besitzen.

Aber man kann Nähe nicht kaufen.

Und man kann Lebensqualität nicht auf später verschieben.

Warum Selbstbestimmung ein wichtiger Teil von Erfolg ist

Ein weiterer Gedanke aus dem Gespräch beschäftigt mich besonders.

Professor Frey spricht darüber, dass selbstständig arbeitende Menschen trotz höherem Risiko und oft mehr Arbeitszeit häufig zufriedener sind als Menschen, die stark in Hierarchien und Vorgaben eingebunden sind.

Der entscheidende Punkt ist für mich dabei nicht, dass jetzt alle selbstständig werden sollten.

Sondern: Wir brauchen das Gefühl, Einfluss auf unser Leben zu haben.

Das gilt im Beruf genauso wie in anderen Lebensbereichen.

Wenn uns ständig gesagt wird, was wir tun, wann wir es tun und wie genau wir es tun sollen, geht etwas verloren.

Die eigene Initiative.

Die Verantwortung.

Die Freude daran, ein Problem selbst zu lösen.

Professor Frey kritisiert deshalb eine Arbeitswelt, in der Menschen immer stärker kontrolliert und überwacht werden.

Das Hamsterrad entsteht nämlich nicht nur durch zu viel Arbeit.

Es entsteht dadurch, dass wir uns im eigenen Leben nicht mehr als Gestaltende erleben.

Wir funktionieren nur noch.

Und genau hier wird Erfolg gefährlich.

Nicht weil Leistung schlecht wäre.

Sondern weil ein Leben, das nur noch aus Leistung besteht, irgendwann seine Lebendigkeit verliert.

Warum wir nicht jeden Morgen aufstehen sollten, um glücklich zu sein

Eine Aussage von Professor Frey fand ich ebenfalls wunderbar:

Man soll nicht am Morgen aufstehen und sagen: Jetzt will ich glücklich sein.

Das funktioniert tatsächlich nicht.

Glück lässt sich nicht wie ein Tagesziel abhaken.

Vielleicht ist das eine der grossen Verwechslungen unserer Zeit.

Wir wollen Glück erreichen.

Optimieren.

Planen.

Produzieren.

Dabei entsteht Lebenszufriedenheit oft als Folge eines Lebens, das sich stimmig anfühlt.

Wenn wir Menschen haben, die uns wichtig sind.

Wenn wir uns entwickeln.

Wenn wir gesund bleiben oder gut mit unserer Gesundheit umgehen können.

Wenn wir etwas lernen.

Wenn wir Verantwortung übernehmen.

Wenn wir mitgestalten können.

Und wenn unser Erfolg nicht verlangt, dass wir dafür alles andere aufgeben.

Wie können wir Erfolg und Glück besser verbinden?

Vielleicht müssen wir Erfolg nicht kleiner machen.

Vielleicht müssen wir ihn vollständiger denken.

Erfolg darf Einkommen bedeuten.

Er darf Leistung bedeuten.

Er darf Karriere bedeuten.

Aber er sollte auch die Frage beantworten:

Wie möchte ich leben, während ich erfolgreich bin?

Nicht erst danach.

Denn das Leben beginnt nicht nach der nächsten Beförderung.

Nicht nach dem nächsten Ziel.

Nicht nach der Pensionierung.

Es findet gerade statt.

Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus meinem Gespräch mit Professor Dr. Bruno Frey:

Wir müssen nicht zwischen Erfolg und Glück wählen.

Aber wir sollten aufhören zu glauben, dass Erfolg automatisch Glück liefert.

Ein gutes Einkommen kann uns Sicherheit geben.

Eine erfüllende Aufgabe kann uns Sinn geben.

Selbstbestimmung kann uns Kraft geben.

Aber Menschen geben unserem Leben etwas, das keine Karriere ersetzen kann.

Professor Dr. Bruno Frey ist Ökonom und einer der bekanntesten Glücksforscher im deutschsprachigen Raum. In seiner Forschung beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit dem Zusammenhang von Glück, Wirtschaft und Gesellschaft. Mehr über seine Arbeit findest du hier: https://www.bsfrey.ch.

🎙️ In der vollständigen Podcastfolge sprechen wir ausserdem über Gesundheit, Bildung, Religion, politische Mitbestimmung, Arbeit, das Älterwerden und die Frage, warum gerade junge Menschen heute weniger glücklich zu sein scheinen.

Vielleicht hörst du die Folge mit einer einzigen Frage im Hinterkopf:

Was bedeutet Erfolg für dich – wenn niemand zuschaut?


FAQ: Erfolg und Glück

Macht mehr Geld glücklich?

Ein ausreichendes Einkommen ist wichtig, weil es Sicherheit schafft und finanzielle Sorgen reduziert. Mehr Einkommen führt jedoch nicht automatisch im gleichen Mass zu mehr Lebenszufriedenheit. Andere Faktoren wie Beziehungen, Gesundheit und Selbstbestimmung spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Was ist wichtiger: Erfolg oder Glück?

Erfolg und Glück müssen kein Gegensatz sein. Entscheidend ist, wie Erfolg definiert wird. Wenn Erfolg nur aus Einkommen, Status und Leistung besteht, kann er auf Kosten der Lebensqualität gehen. Ein stimmiges Leben verbindet persönliche Ziele mit Beziehungen, Gesundheit und Selbstbestimmung.

Warum fühlen sich erfolgreiche Menschen manchmal unglücklich?

Manche Menschen erreichen beruflich oder finanziell viel und stellen erst danach fest, dass ihre Ziele nicht mit dem Leben übereinstimmen, das sie eigentlich führen möchten. Dauerhafter Druck, fehlende Zeit und soziale Isolation können trotz äusserem Erfolg die Lebenszufriedenheit beeinträchtigen.

Was hat Selbstbestimmung mit Glück zu tun?

Menschen erleben ihr Leben als erfüllender, wenn sie Einfluss nehmen und Entscheidungen mitgestalten können. Das Gefühl, nicht nur Vorgaben auszuführen, sondern selbst Verantwortung übernehmen zu können, ist ein wichtiger Bestandteil von Lebensqualität.

Wie kann Erfolg zu mehr Lebensqualität beitragen?

Erfolg trägt zu einem guten Leben bei, wenn er Sicherheit schafft, persönliche Entwicklung ermöglicht und nicht dauerhaft auf Kosten von Gesundheit und Beziehungen geht. Entscheidend ist, dass der Erfolg zum eigenen Leben passt.

Ich wünsche dir, dass dein Herz heute richtig leuchtet!

Spür dein Glück,

Kennst du schon…

Glückscoach Christina Zech

Meine Geschichte:
Vom Schmerz zum Glück

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Christina Zech - Glückscoach für messbare Lebensqualität - Coaching

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