Clown - Podcast mit Glückscoach Christina Zech und Jenny Karpawitz

Der Clown in uns: Warum wir wieder mehr spielen und lachen sollten

Wann hast du das letzte Mal etwas völlig Unvernünftiges gemacht, einfach weil es dir Freude bereitet hat? Ohne darüber nachzudenken, was andere wohl davon halten?

Als Kinder konnten wir das meistens noch ganz selbstverständlich. Doch irgendwann lernen wir, uns zurückzuhalten. Wir werden vernünftig, angepasst und bemühen uns, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Was dabei oft verloren geht, ist unsere spielerische Leichtigkeit.

In meinem Gespräch mit Jenny Karpawitz, Gründerin des Tamala Clown Centers, habe ich einen Gedanken besonders spannend gefunden: Der Clown steckt nicht in der roten Nase. Er steckt in einer inneren Haltung, die wir wiederentdecken können.

  • Warum die Clownsnase Menschen helfen kann, mutiger und freier zu werden.
  • Was wir von der kindlichen Spielfreude lernen können.
  • Wie du mit einer einfachen Übung deine innere Freude wieder aktivierst.
  • Warum Humor Begegnungen erleichtert und Menschen verbindet.
  • Wie du auch im ganz normalen Alltag mehr Leichtigkeit entstehen lassen kannst.

Hier geht es zur Podcastfolge:

Wer ist Jenny Karpawitz?

Jenny Karpawitz hat 1983 gemeinsam mit ihrem damaligen Partner das Tamala Clown Center gegründet. Heute leitet sie die Clownschule in Konstanz, die als älteste Clownschule Deutschlands gilt.

Dort geht es längst nicht nur um Bühnenauftritte. Neben der Clownausbildung und dem Humortraining gibt es auch die Ausbildung zum Gesundheitsclown. Die Teilnehmenden kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen und Lebenssituationen. Manche möchten auf der Bühne stehen, andere wollen mehr Leichtigkeit in ihr Privatleben bringen oder Humor in sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen einsetzen.

Mehr über ihre Arbeit erfährst du auf der Website des Tamala Clown Centers.

Die rote Nase ist die kleinste Maske der Welt

Eine meiner Fragen an Jenny war, warum es eigentlich diese rote Nase braucht. Schliesslich geht es beim Clown doch darum, sich selbst zu zeigen. Warum also eine Maske?

Ihre Antwort fand ich überraschend: Die Clownsnase sei die kleinste Maske der Welt.

Das Gesicht bleibt sichtbar. Die eigene Persönlichkeit verschwindet nicht. Aber die Nase bietet einen kleinen Schutz. Sie signalisiert: Jetzt darf ich einmal etwas ausprobieren, frech sein, lauter werden und Dinge tun, die ich mir normalerweise vielleicht nicht erlauben würde.

Das ist ein spannender Widerspruch: Ausgerechnet eine Maske kann uns helfen, mehr von uns selbst zu zeigen.

Viele Menschen haben Angst, sich lächerlich zu machen. Sie überlegen, was andere denken könnten, ob sie sich blamieren oder nicht mehr ernst genommen werden. Die kleine rote Nase kann diese Hemmschwelle senken.

Mit zunehmender Erfahrung wird sie allerdings weniger wichtig. Jenny erzählt, dass sie den Clown auch ohne Nase spielen kann. Entscheidend sei dann die innere Haltung.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Wie viel von dem, was wir im Alltag nicht wagen, hat eigentlich damit zu tun, dass wir uns zu sehr beobachten?

Was passiert mit unserer kindlichen Leichtigkeit?

Kinder können sich stundenlang mit einer Kleinigkeit beschäftigen. Sie probieren etwas aus, scheitern, lachen und versuchen es wieder. Wenn ein Turm umfällt, bauen sie ihn eben neu.

Sie überlegen nicht ständig, ob das gerade sinnvoll, produktiv oder gesellschaftlich angemessen ist.

Jenny beschreibt Kinder deshalb als kleine Clowns. Sie seien neugierig, spontan, kreativ und noch viel stärker mit ihrem Körper und ihren Gefühlen verbunden.

Im Laufe des Erwachsenwerdens verändert sich das häufig. Wir lernen, uns anzupassen, vernünftig zu sein und bestimmte Erwartungen zu erfüllen. Aus der unbeschwerten Freude wird manchmal eine grosse Vorsicht.

Jenny erzählt von ihrer eigenen Kindheit. Sie war zunächst eher ängstlich und schüchtern. Als sie später begann, ihre gewohnten Verhaltensmuster abzulegen und auch einmal Unsinn zu machen, erlebte sie das als grosse Befreiung.

Auch ich habe mich in diesem Gespräch an meine eigene Kindheit erinnert.

Meine Kindheit war nicht einfach. Trotzdem hatte ich etwas, das mir offenbar viel Kraft gegeben hat: eine grosse innere Freude. Auf dem Schulweg erzählte ich mir manchmal selbst Witze. Ich lief lachend und mit strahlendem Gesicht durch die Gegend. Wenn mir jemand begegnete, wurde ich mitunter ziemlich irritiert angeschaut. Was macht dieses Mädchen da eigentlich allein?

Damals habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich hatte einfach Freude daran.

Heute frage ich mich manchmal, warum wir uns diese Selbstverständlichkeit so oft abgewöhnen.

Wie kannst du deine innere Freude wieder aktivieren?

Im Gespräch hat Jenny nicht nur über die Clownarbeit gesprochen. Sie hat mit mir auch eine kleine Übung gemacht, die du selbst ausprobieren kannst.

Es geht darum, eine Erinnerung an eine Situation aus deiner Kindheit wieder lebendig werden zu lassen, in der du echte Vorfreude oder grosse Freude empfunden hast.

Vielleicht war es ein besonderer Ausflug, ein Spiel, ein Wiedersehen oder ein Moment, in dem du kaum erwarten konntest, dass etwas Schönes passiert.

Versuche, dich möglichst genau in diese Situation zurückzuversetzen:

  • Was hast du damals gesehen?
  • Wer war dabei?
  • Welche Geräusche hast du gehört?
  • Gab es einen bestimmten Geruch?
  • Wie hat sich die Freude in deinem Körper angefühlt?

Lass die Erinnerung möglichst lebendig werden. Spüre nach, was diese Freude damals mit dir gemacht hat.

Jenny nennt das den inneren Schalk. Dieses Gefühl von Vorfreude, Leichtigkeit und einem kleinen, liebevollen Übermut.

Besonders interessant fand ich den nächsten Schritt: Du kannst dieses Gefühl als inneren Anker nutzen, bevor du etwas Humorvolles erzählst oder auf andere Menschen zugehst.

Denn es macht einen Unterschied, ob du jemanden mit einem Witz überraschen möchtest, um ihn ein bisschen zu ärgern, oder ob du aus einer inneren Freude heraus gemeinsam mit ihm lachen möchtest.

Die Absicht dahinter verändert die Begegnung.

Humor beginnt mit Begegnung – nicht mit einem Witz

Ein weiterer Gedanke aus unserem Gespräch ist mir besonders geblieben: Ein Clown ohne Kontakt funktioniert eigentlich nicht.

Natürlich kann man allein etwas ausprobieren. Aber der Clown braucht die Begegnung mit anderen Menschen. Das gilt auf der Bühne ebenso wie im Alltag.

Humor ist dabei viel mehr als das Erzählen eines guten Witzes. Es geht um eine Haltung, um Aufmerksamkeit und darum, auf andere Menschen einzugehen.

Jenny erzählt, dass sich diese Haltung auch in ganz gewöhnlichen Alltagssituationen zeigen kann: an der Supermarktkasse, bei einer Begegnung oder in einem Gespräch.

Sie selbst versucht, mit ihrem inneren Schalk auf Menschen zuzugehen. Dabei geht es nicht darum, überall einen Gag zu platzieren. Es geht darum, spielerisch und liebevoll mit einer Situation umzugehen.

Ich musste dabei an meine eigene Erfahrung denken: In Hannover hatte ich einmal versucht, an der Supermarktkasse etwas lockerer mit der Kassiererin zu scherzen. Sie reagierte eher irritiert. Später in Leipzig erlebte ich, wie viel selbstverständlicher und ausführlicher Menschen miteinander ins Gespräch kamen.

Natürlich spielen die jeweiligen Umgangsformen eine Rolle. Aber Jenny hat mich auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht: Auch unsere eigene innere Haltung beeinflusst, wie wir anderen begegnen.

Vielleicht lohnt es sich also, beim nächsten Einkauf nicht nur möglichst schnell fertig zu werden, sondern einmal bewusst etwas mehr Offenheit und Freude mitzubringen.

Natürlich passt Humor nicht in jede Situation. Es geht nicht darum, ernsthafte Momente ins Lächerliche zu ziehen. Aber in vielen Begegnungen können ein Schmunzeln oder eine kleine spielerische Bemerkung eine erstaunliche Wirkung haben.

Warum fällt es uns so schwer, über uns selbst zu lachen?

Eine der grössten Hemmschwellen ist die Angst, sich lächerlich zu machen.

Was denken die anderen? Nehmen sie mich dann noch ernst? Wir haben oft schon früh gelernt, uns zu kontrollieren und nicht unangenehm aufzufallen.

Jenny spricht in diesem Zusammenhang von gesellschaftlichen Prägungen. Manche Menschen brauchen deshalb viel Zeit, bis sie sich trauen, auch einmal über die eigenen Missgeschicke zu lachen oder etwas Ungewöhnliches auszuprobieren.

Ich kenne diesen Gedanken gut. Der Satz «Was denken denn die Nachbarn?» war auch in meiner Kindheit präsent.

Solche Botschaften können sich tief verankern. Sie beeinflussen, wie frei wir uns fühlen und wie viel wir uns im Umgang mit anderen erlauben.

Dabei bedeutet über sich selbst lachen zu können nicht, sich selbst abzuwerten. Im Gegenteil: Es braucht eine gewisse innere Sicherheit, um sich nicht ständig so ernst nehmen zu müssen.

Vielleicht liegt genau darin eine Form von Freiheit: Nicht jede Situation perfekt meistern zu müssen. Auch einmal etwas falsch machen zu dürfen. Und darüber gemeinsam lachen zu können.

Warum wir gerade heute mehr Leichtigkeit brauchen

Jenny beobachtet, dass die Nachfrage nach Humor und Clownseminaren besonders in gesellschaftlich schwierigen Zeiten zunimmt.

Sie erinnert sich beispielsweise an die Zeit der Finanzkrise um 2009. Damals waren die Seminare ebenfalls sehr gut besucht. Und auch in der aktuellen gesellschaftlich und politisch angespannten Situation erlebt sie wieder ein grosses Interesse.

Menschen möchten nicht ausschliesslich mit Krisen, Konflikten und negativen Nachrichten beschäftigt sein. Sie suchen bewusst nach etwas, das ihnen guttut.

Das finde ich einen wichtigen Gedanken.

Wir können nicht alle grossen gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflussen. Aber wir können durchaus beeinflussen, wie wir unseren Alltag gestalten, wie wir anderen begegnen und wo wir uns selbst kleine Momente der Freude ermöglichen.

Das ist keine Flucht vor der Realität. Es ist eine Möglichkeit, die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken.

Ein gutes Gespräch, ein gemeinsames Lachen oder eine Begegnung, die uns für einen Moment aus dem gewohnten Trott herausholt, kann unglaublich wertvoll sein.

Der Clown in uns ist kein Kindskopf

Was nehme ich aus diesem Gespräch mit?

Für mich ist es vor allem die Erkenntnis, dass Leichtigkeit nichts Oberflächliches ist. Sie bedeutet nicht, dass wir Schwierigkeiten ignorieren oder immer fröhlich sein müssen.

Es geht vielmehr darum, eine Seite von uns wieder stärker zuzulassen, die im Alltag häufig zu kurz kommt: die neugierige, spontane, kreative und verspielte Seite.

Jenny hat dafür ein schönes Wortspiel verwendet: das «unverschämte Kind». Nicht im negativen Sinn, sondern als Gegenpol zu dem verschämten Kind, das gelernt hat, sich zurückzunehmen und nicht aufzufallen.

Vielleicht dürfen wir uns tatsächlich wieder etwas mehr davon erlauben.

Nicht unbedingt mit roter Nase. Nicht auf einer Bühne. Sondern mitten im Leben.

Und vielleicht beginnt es schon damit, dass wir uns beim nächsten Mal nicht fragen, ob das jetzt vernünftig ist, sondern ob es uns und anderen Freude machen könnte.

Denn manchmal braucht es gar nicht viel, um wieder ein bisschen mehr bei sich selbst anzukommen.


Häufige Fragen zum Thema Clown und Humor

Muss man für das Clownsein besonders lustig sein?

Nein. Im Gespräch mit Jenny Karpawitz wird deutlich, dass es weniger um angeborenes komödiantisches Talent geht als um Neugier, Spontaneität, Spielfreude und die Bereitschaft, sich auf Begegnungen einzulassen.

Warum tragen Clowns eine rote Nase?

Die Clownsnase kann als kleine Schutzmaske wirken. Sie hilft vielen Menschen, Hemmungen abzubauen und sich Dinge zu erlauben, die sie ohne diese Unterstützung vielleicht nicht wagen würden.

Kann man Humor lernen?

Ja, zumindest lässt sich die eigene spielerische und humorvolle Haltung entwickeln und trainieren. Das Tamala Clown Center bietet dafür unter anderem Clownausbildung und Humortraining an.

Wie kann ich mehr Leichtigkeit in meinen Alltag bringen?

Eine Möglichkeit ist, sich bewusst an eine Situation zu erinnern, in der man als Kind echte Freude oder Vorfreude empfunden hat. Dieses Gefühl kann als innerer Anker dienen, um anderen Menschen mit mehr Offenheit und spielerischer Leichtigkeit zu begegnen.

Was ist ein Gesundheitsclown?

Gesundheitsclowns sind speziell ausgebildete Clowns, die beispielsweise in Pflegeeinrichtungen und Spitälern arbeiten. Sie begegnen Menschen in herausfordernden Lebenssituationen behutsam und schaffen Momente des Lachens, der Ablenkung und der menschlichen Begegnung.

Ich wünsche dir, dass dein Herz heute richtig leuchtet!

Spür dein Glück,

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