Resilienz mit Glückscaoch Christina Zech

Wenn die Welt unsicher wird: Wie Resilienz uns wieder Halt geben kann

Neulich lag ich mitten in der Nacht wach – und konnte nicht schlafen.

Dabei hatte der Abend eigentlich mit etwas begonnen, das mich unglaublich fasziniert hatte: Ich war beim Presidential Talk an der ETH Zürich eingeladen und hörte zwei Spitzenforschenden zu, die über künstliche Intelligenz und Internetsicherheit sprachen.

Ich war begeistert. Und gleichzeitig hatte ich plötzlich dieses ganz merkwürdige Gefühl im Bauch.

Vielleicht kennst du das auch: Äusserlich ist eigentlich alles in Ordnung. Aber innerlich beginnt etwas zu grummeln. Du kannst nicht genau sagen, warum. Vielleicht ist es eine Nachricht. Eine Krise. Ein Gespräch. Die politische Lage. Eine Veränderung im Leben. Oder einfach das Gefühl: Da kommt etwas auf mich zu – und ich weiss nicht, ob ich es kontrollieren kann.

Genau darum geht es in dieser Podcastfolge: um Resilienz.

  • warum unangenehme Gefühle oft früher da sind als unser bewusstes Verständnis dafür
  • weshalb Verdrängen uns in Krisen selten wirklich weiterhilft
  • wie Selbstannahme und Selbstliebe helfen können, mit innerer Unruhe umzugehen
  • warum Dankbarkeit gerade in unsicheren Zeiten Kraft geben kann
  • wie du aus Krisen und Herausforderungen etwas über dich selbst lernen kannst

Hier kannst du die Podcastfolge anhören:

Was passiert mit uns, wenn wir plötzlich keine Kontrolle mehr spüren?

Der Abend an der ETH Zürich hat mich auf eine besondere Weise berührt.

Da war einerseits diese unglaubliche Faszination für künstliche Intelligenz und technologische Entwicklungen. Gleichzeitig ging es aber auch um Internetsicherheit, geopolitische Spannungen und die grossen Fragen unserer Zeit: Was passiert mit diesen Technologien? Wie viel können wir Menschen noch steuern? Und wie sicher ist unsere Welt eigentlich?

Die beiden Vorträge haben mich so fasziniert und gleichzeitig nachdenklich gemacht, dass ich sie dir hier gerne verlinke:
Professor Srđjan Čapkun: „On (in)security“ – über Sicherheit und Unsicherheit in unserer digitalen Welt.
Professor Ana Klimovic: „Building trustworthy and efficient AI systems“ – über vertrauenswürdige und effiziente KI-Systeme.

Ich hatte das Gefühl, auf einem Gipfel zu stehen.

Die Aussicht war faszinierend. Aber plötzlich kam ein kalter Wind von der Seite.

Und genau dieses Bild beschreibt für mich sehr gut, was viele Menschen heute erleben: Wir sehen unglaubliche Möglichkeiten – und gleichzeitig spüren wir Unsicherheit. Wir leben in einer Welt, die sich rasant verändert. Technologisch. Politisch. Gesellschaftlich. Persönlich.

Resilienz bedeutet nicht, so zu tun, als würde uns das alles nichts ausmachen.

Resilienz beginnt damit, wahrzunehmen: Was macht das gerade mit mir?

Resilienz beginnt mit einem Gefühl, das wir eigentlich loswerden wollen

Mein erstes Problem in dieser Nacht war nicht die KI.

Mein Problem war zunächst, dass ich gar nicht richtig verstanden habe, was mit mir los war.

Da war einfach dieses unangenehme Gefühl. Dieses Grummeln im Bauch. Diese innere Unruhe.

Und genau hier beginnt für mich ein wichtiger Schritt für mehr Resilienz: das Gefühl überhaupt einmal anerkennen.

Nicht sofort wegdrücken.

Nicht sofort abwerten.

Nicht sofort sagen: „Das ist doch Unsinn. Stell dich nicht so an.“

Sondern innehalten und wahrnehmen:

Mir geht es gerade nicht gut.

Da ist etwas in mir.

Und ich darf mir Zeit nehmen, herauszufinden, was es ist.

Das klingt vielleicht einfach. Aber wir Menschen sind oft erstaunlich schnell darin, unangenehme Gefühle zu verdrängen. Wir lenken uns ab. Arbeiten mehr. Scrollen weiter. Reden uns ein, dass alles halb so schlimm sei.

Doch was wir nicht anschauen, können wir oft auch nicht wirklich verstehen.

Warum triggert mich diese Situation eigentlich?

Der nächste Schritt ist für mich besonders spannend.

Denn nicht alles, was uns Angst macht oder belastet, betrifft uns auf dieselbe Weise.

Manche Nachrichten nehmen wir zur Kenntnis – und dann gehen wir weiter.

Andere beschäftigen uns tagelang.

Warum?

Bei mir wurde in dieser Nacht plötzlich klar: Das Thema künstliche Intelligenz berührt mich persönlich. Ich habe mich schon früh für Informatik interessiert, programmieren gelernt und sogar einmal darüber nachgedacht, Informatik oder Mathematik zu studieren.

Technologie fasziniert mich.

Und gleichzeitig wünsche ich mir zutiefst eine friedliche Welt, in der Menschen gut miteinander kooperieren.

Plötzlich wurde mir klar: Deshalb hat mich dieser Abend so stark beschäftigt.

Resilienz bedeutet deshalb auch, sich zu fragen:

Warum macht dieses Thema so viel mit mir?

Was hat das mit meiner Geschichte zu tun?

Welche Werte oder Ängste werden hier berührt?

Diese Fragen verändern die Perspektive.

Aus einem diffusen Gefühl wird etwas, das wir besser verstehen können.

Selbstannahme: Du musst dich nicht zusätzlich für deine Angst verurteilen

Ein Punkt ist mir besonders wichtig.

Wir machen unser Leben oft unnötig schwer, weil wir nicht nur ein unangenehmes Gefühl haben – sondern uns danach auch noch dafür verurteilen.

„Warum habe ich jetzt Angst?“

„Ich müsste doch stärker sein.“

„Andere kommen damit doch auch klar.“

Aber genau diese zusätzliche Abwertung kostet Kraft.

Ich glaube, Resilienz bedeutet auch, sich selbst in schwierigen Momenten nicht zu verlassen.

Sondern sich innerlich zu sagen:

Ja, ich fühle mich gerade komisch.

Ja, das ist unangenehm.

Und trotzdem bin ich okay.

Glücklich leben bedeutet nicht, dass wir nie Angst haben oder nie verunsichert sind.

Glück als Lebenskompetenz bedeutet für mich vielmehr, dass wir lernen, auch mit den unangenehmen Seiten des Lebens umzugehen – ohne dabei den Kontakt zu uns selbst zu verlieren.

Warum Dankbarkeit gerade in Krisen neue Kraft geben kann

Dann kam in dieser Nacht der entscheidende Perspektivwechsel.

Ich lag in meinem warmen Bett.

Ich war in Sicherheit.

Meine Liebsten waren bei mir.

Ich lebe an einem Ort, der mir gefällt.

Und plötzlich wurde aus der Unruhe eine tiefe Dankbarkeit.

Nicht, weil die Probleme der Welt dadurch verschwunden wären.

Und auch nicht, weil wir schwierige Entwicklungen einfach ignorieren sollten.

Dankbarkeit ist kein Wegschauen.

Sie ist ein bewusstes Hinschauen auf das, was trotzdem da ist.

Gerade in Krisen konzentriert sich unser Blick oft vollständig auf das, was uns fehlt oder bedroht.

Dankbarkeit erweitert diesen Blick wieder.

Sie erinnert uns daran:

Was trägt mich gerade?

Was ist gut?

Was habe ich, das ich vielleicht viel zu selbstverständlich nehme?

Und plötzlich entsteht wieder Raum zum Atmen.

Was kann ich aus einer Krise über mich selbst lernen?

Der letzte Schritt ist vielleicht derjenige, der uns langfristig am stärksten verändert.

Wenn die erste Unruhe etwas abgeklungen ist, können wir zurückschauen und fragen:

Was sagt mir diese Situation?

Warum hat sie mich so stark beschäftigt?

Was kann ich daraus lernen?

Bei mir war die Antwort überraschend klar.

Dieser Abend hat mir noch einmal gezeigt, wie sehr mich technologische Entwicklungen faszinieren.

Aber auch: Mein Platz ist nicht dort, wo Milliarden in Technologie investiert werden. Mein Platz ist dort, wo ich Menschen dabei unterstützen kann, besser mit den Herausforderungen ihres Lebens umzugehen.

Das ist mein Beitrag.

Und vielleicht ist genau das eine wichtige Frage für uns alle.

Wir können nicht jedes Problem der Welt lösen.

Aber wir können überlegen:

Was kann ich beitragen?

Wo kann ich Verantwortung übernehmen?

Wie möchte ich mit dem umgehen, was auf mich zukommt?

Resilienz bedeutet nicht, dass dich nichts mehr erschüttert

Ich glaube nicht, dass Resilienz bedeutet, unerschütterlich zu werden.

Ich möchte gar nicht in einer Welt leben, in der uns nichts mehr berührt.

Dass uns etwas Angst macht, traurig macht oder beschäftigt, zeigt auch, dass uns etwas wichtig ist.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:

Wie kann ich verhindern, dass mich Krisen treffen?

Sondern:

Wie finde ich wieder zu mir zurück, wenn sie mich treffen?

Für mich beginnt dieser Weg mit fünf einfachen Fragen:

  1. Was fühle ich gerade?
  2. Woher könnte dieses Gefühl kommen?
  3. Kann ich mich mit diesem Gefühl annehmen, statt mich dafür abzuwerten?
  4. Wofür bin ich trotz allem dankbar?
  5. Was kann ich aus dieser Situation lernen?

Du musst nicht alle Antworten sofort kennen.

Manchmal genügt es schon, einen Moment stehen zu bleiben.

Durchzuatmen.

Und nicht sofort vor dem eigenen Gefühl davonzulaufen.

Denn vielleicht ist genau das Resilienz: Nicht alles kontrollieren zu können – und trotzdem wieder Boden unter den Füssen zu finden.

Häufige Fragen zu Resilienz

Was bedeutet Resilienz einfach erklärt?

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Krisen, Belastungen und schwierigen Veränderungen umzugehen und nach belastenden Phasen wieder Orientierung und Handlungsfähigkeit zu finden.

Kann man Resilienz lernen?

Ja. Resilienz ist keine Eigenschaft, die manche Menschen einfach haben und andere nicht. Wir können lernen, Gefühle bewusster wahrzunehmen, schwierige Situationen besser einzuordnen und neue Wege im Umgang mit Herausforderungen zu entwickeln.

Warum hilft Dankbarkeit bei Stress und Krisen?

Dankbarkeit verändert nicht automatisch die äussere Situation. Sie kann aber helfen, den Blick nicht ausschliesslich auf Bedrohung, Mangel und Unsicherheit zu richten, sondern auch wahrzunehmen, was uns trägt und Kraft gibt.

Muss ich negative Gefühle loswerden, um resilient zu sein?

Nein. Resilienz bedeutet nicht, negative Gefühle zu vermeiden. Oft beginnt ein guter Umgang mit Krisen gerade damit, unangenehme Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen, statt sie sofort zu verdrängen.

Ich wünsche dir, dass dein Herz heute richtig leuchtet!

Spür dein Glück,

Ein Kommentar zu „Wenn die Welt unsicher wird: Wie Resilienz uns wieder Halt geben kann“

  1. Manuel Frei

    Vielen Dank für den inspirierenden Podcast zum Thema Resilienz. Er hat mich darin bestärkt, immer wieder bewusst auf die eigenen Lebensumstände zu schauen und darauf, was man nicht ändern kann. Besonders wichtig finde ich die Entscheidung, den Blick eher auf das zu richten, was bereits gut ist und trägt. Das hilft mir, Dinge einzuordnen und nicht jedes Problem sofort übermächtig werden zu lassen. Ein sehr wertvoller Impuls.

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